Bitte Neuerscheinungen beachten

Willkommen auf der offiziellen Website von Frank Rost 
Autor aus Bremen

 

Ich schreibe autobiografische Romane, politische Erzählungen und spannende Krimis – mit Tiefgang, Haltung und einem klaren Blick auf das echte Leben.

Meine Geschichten beruhen auf dem, was mich geprägt hat: Schiffbau, Entscheidungen unter Druck, persönliche Brüche und stille Siege. Nach einem langen Berufsleben war klar: Jetzt ist Zeit für Geschichten.

Was mich auszeichnet?
Erfahrung. Klartext. Und der Mut, auch unbequeme Wahrheiten aufzuschreiben.
Ich erzähle nicht aus der Theorie – sondern aus dem Leben.

Wenn Sie Bücher mit Charakter suchen, mit Figuren, die nicht aalglatt sind, sondern Ecken und Kanten haben – dann sind Sie hier richtig.
 

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Mein Einstieg als Autor – mit Kaffee, Chaos und Schreibmaschine

Aller Anfang ist schwer - die Schreibmaschine haben ich gegen den PC getauscht

 Willkommen in meinem Chaos
 

Ich bin erst spät zum Schreiben gekommen, aber jetzt schaffe ich richtig was.

Ruf mich unter frank-rost-autor.de auf oder suche mich zwischen Kaffeeflecken und   Romanideen

Erste Versuche

 

Die ersten Versuche waren nicht vom Erfolg gekrönt und einen Verlag habe ich auch nicht gefunden - dann machen wir es eben selbst. .

Das erste Buch ist bei BOD in der Veröffentlichung. Demnächst mehr dazu.

Über Frank Rost

Wer ist Frank Rost?

Ich schreibe Bücher – und bin damit erst spät angefangen. Vielleicht war es genau der richtige Zeitpunkt.

Geboren 1954 in Bremen, habe ich mein Berufsleben fast vollständig im Schiffbau verbracht. Werften, Yachten, Technik und Menschen mit Ecken und Kanten – das sind die Welten, die meine Geschichten prägen. Ich kenne die Hallen, das Ringen um Termine, die kleinen Fluchten und großen Dramen hinter den glänzenden Oberflächen.

Meine ersten Schreibversuche machte ich als Redakteur bei einer Tageszeitung. Später entstand ein satirisches Tagebuch über einen Kuraufenthalt (noch unveröffentlicht). Heute widme ich mich mit Hingabe dem Kriminalroman – gerne mit maritimem Tiefgang und einem Schuss Ironie.

Warum „Frank Rost“?
Ich habe viele Jahre im Korrosionsschutz gearbeitet – und da war Rost unser größter Feind. Der Name ist also ein augenzwinkernder Fingerzeig auf meinen Werdegang. „Frank“ hieß übrigens ein geschätzter Kollege, der das Ganze oft mit Humor nahm.

Jedes Buch ist für mich eine Reise. Und ich freue mich über jeden, der mitliest.

Aktuell ist in der Vorbereitung für die Veröffentlichung: 

Wer yacht hier wen?

Ein Toter auf der Werft

Eine Luxusyacht voller Geheimnisse.

Die Kommissare Merle Dethloff und Thomas Bäumer ermitteln in einer Welt aus Gold, Macht und falscher Sicherheit, die nicht für den zivilen Markt gedacht war.

Ein Fall der leisen Dynamik - und lauter endet, als allen lieb ist.

1

Veröffentlichtes Buch mit dem Titel: 

Nach dem Kalten Krieg kommt der warme Regen

Wer flieht muss auch ankommen

Wer yacht hier wen?

 

Bestellungen siehe Neuerscheinungen dort findet man die entsprechenden Links!

 

3

Zum Buch "Nach dem kalten Krieg kommt der warme Regen" 

Für politisch interessierte Menschen trifft der Autor immer ins 'Schwarze' und stellt die Zusammenhänge zwischen politischen Entscheidungen und wirtschaftlichen Interessen- und Auswirkungen klar und unmissverständlich dar.

zum neuen Buch Band 2  der warme Regen bleibt 

Eine wahrhafte ‚tour de raison‘ von der lokalen Ebene bis zur derzeit aktuellen globalen wirtschaftlichen und politischen Ereignissen.

Der Autor schafft es wieder in seinen betont kurzen Redewendungen und idiomatischen Formulierungen zu informieren, nach zu denken

und auch die Hilflosigkeit der politischen Verantwortlichen zu beschreiben, die nach Lösungen suchen, aber mit der Realität leben müssen.

Das Bewusstsein wird geweckt, dass wir in unserer Welt schon immer von Kriegen begleitet wurden, die Leid und viele Tote hervorgebracht haben und aktuell bringen.

Wir machen weiter und richten unsere Zivilgesellschaft auf neue Ziele aus.

1. Lesung in meiner Autorenzeit

Lesung am 25. Februar 2026 in Schwanewese – großer Zuspruch

Rund 40 Gäste folgten der Einladung zu einer gemeinsamen Autorenlesung.
Der Abend war geprägt von lebendigen Texten, intensiven Gesprächen und einem sehr positiven Echo.
Vielen Dank an die Veranstalter für die Organisation und das engagierte Publikum.

 

 

Buchvorstellung

Die Fälle von Merle Dethloff und Hannes Bäumer

Das Ermittlerduo aus Bremen begeistert mit Verstand, Humor und norddeutscher Bodenständigkeit. Die Krimis sind spannend, eigenständig lesbar und bauen dennoch aufeinander auf.

Band 1 – Wer yacht hier wen (jetzt im Druck und als Auftaktband vorgezogen)
Ein Mord auf einer Luxusyacht deckt ein Netz aus Intrigen, Machtspielen und tödlichen Geheimnissen auf. Merle Dethloff und Hannes Bäumer müssen tiefer in die Welt des Yachtbaus eintauchen, als ihnen lieb ist.

Band 2 – Nichts klebt so wie Spachtel (direkter Nachfolger von „Wer yacht hier wen“)
Die Spur führt in die Werkhallen und Werften, wo Luxus auf harte Arbeit trifft – und wo hinter glänzenden Fassaden Gier und Gewalt brodeln.

Band 3 – 110 Kilo Scheine – Mehr Schein als Sein (in Vorbereitung)
Ein raffiniert geplanter Geldtransporter-Überfall und ein skrupelloses Syndikat stellen die Ermittler auf eine harte Probe.

Jeder Fall ist abgeschlossen, doch die Figuren und Ereignisse entwickeln sich über die Bände hinweg weiter. Wer von Anfang an mitliest, erlebt Merle und Bäumer in ihrer ganzen Tiefe.

Mein neuestes Buch

Erfahren Sie mehr über meine neuesten Werke, die Leser in neue Welten entführen.

110 Kilo Scheine – Ein Deich, ein Geldtransporter, ein sauberer Coup. Fast.

Als bei einer morgendlichen Kontrollrunde ein leerer Geldtransporter auf dem Deich bei Brake auftaucht, beginnt für Kommissar Bäumer und seine Kollegin Merle der womöglich raffinierteste Fall ihrer Laufbahn. 110 Kilogramm Bargeld – verschwunden. Keine Spuren. Keine Zeugen. Nur ein stillgelegter Betonmischer, ein verdächtig leerer Parkplatz und ein Schichtwechsel, der zu glatt ablief.

Was wie ein perfekter Raub wirkt, gerät schnell aus dem Takt. Denn wer sauber plant, rechnet selten mit der Wirklichkeit.

Ein norddeutscher Krimi – trocken, präzise und mit feiner Ironie erzählt.

Lesungen und Veranstaltungen

1. Lesung am 25.2.2026 in der Begegnungsstätte Schwanewede , Ostlandstraße, um 19 Uhr, Zusammen mit zwei weiteren Autoren aus Bremen Nord.

 

Leseproben

Lesen Sie Auszüge meiner Bücher, um einen Eindruck von meinem Schreibstil zu bekommen.

Leseprobe

Der Schein zum Sein

Widmung 

Dieses Buch ist all jenen gewidmet, die der Versuchung widerstehen, sich mit gekauften Dokumenten, Zertifikaten oder Titeln ins rechte Licht zu rücken. Es ehrt all diejenigen, die im Unterricht, im Studium oder während einer Dissertation auf ihre eigenen Werte vertrauen – und den beschwerlicheren, aber ehrlicheren Weg wählen.

Ja, es wäre zweifellos einfacher, eine Abkürzung zu nehmen: einen Schein zu kaufen, einen Stempel zu erschleichen, ein Papier zu fälschen. Doch die Leichtigkeit solcher Täuschungen hält nie lange an. Lügen haben kurze Beine, und früher oder später tritt ans Licht, was nicht wahrhaftig war.

Wahrer Wert entsteht nicht durch Siegel oder formale Anerkennung. Er wächst aus Wissen, aus Anstrengung, aus Disziplin – und aus der Bereitschaft, Verantwortung für den eigenen Weg zu übernehmen.

Diese Widmung gilt all jenen, die ihre Würde nicht verkaufen, die dem Betrug widerstehen und daran glauben, dass ein Dokument nur dann Gewicht hat, wenn es auf echter Leistung basiert.

 

Prolog 

Er stand im Schatten der Fakultät, den frisch gedruckten Abschluss in der Hand. Ein Diplom in Jura – ein Stück Papier, nicht mehr, nicht weniger. Doch für ihn war es heißer als jede Kohle, gefährlicher als jede Waffe.

Alle, die ihn kannten, wussten, dass er gerade einmal zwei Semester an dieser Universität verbracht hatte. Zu kurz, um ernsthaft von einem Abschluss zu sprechen. Und doch trug er nun das Dokument mit seinem Namen, versehen mit Stempel und Siegel, als hätte er jahrelang Vorlesungen besucht, Prüfungen geschrieben, Bücher gewälzt.

Er wagte kaum, die Urkunde lange anzusehen. Jeder Blick darauf rief die gleiche Frage hervor: Was fängst du jetzt damit an?

Hier, in der Türkei, durfte er es nicht benutzen. Zu groß die Gefahr, dass jemand nachfragte, dass ein Professor sich erinnerte, dass jemand genauer hinschaute. Aber im Ausland, da könnte es anders sein. Dort, wo niemand ihn kannte, wo ein Dokument oft mehr zählte als die Wahrheit, könnte er Fuß fassen.

Ein Gedanke schob sich in den Vordergrund: Sollte er tatsächlich als „anerkannter Jurist“ irgendwo tätig werden, würde ihm der Rückweg in die Heimat für immer versperrt sein. Dort wusste man zu gut, dass er sein Studium nie beendet hatte. Aber vielleicht war es ja auch gar nicht nötig, zurückzukehren. Vielleicht war dies nur eine Umleitung – nicht ganz fair, ja. Doch Umwege gehörten manchmal zum Leben.

Er konnte sich ja in die Thematik einarbeiten, sich das fehlende Wissen aneignen, Schritt für Schritt. Der Schein war nur der Anfang, das Werkzeug, um auf die Beine zu kommen.

Seine Eltern hätten es wohlverstanden. Sie hatten früh erkannt, wie schwer er es ohne Papiere, ohne Rückhalt haben würde. Und nach ihrem Tod hatten sie ihm ein kleines Erbe hinterlassen. Genau das Geld, das nun in diesen Schein geflossen war. War es nicht in ihrem Sinn, dass er es für seine Zukunft nutzte?

Deutschland war das Ziel. Die Sprache hatte er längst in der Kindheit gelernt, sie war in seiner Familie selbstverständlich gewesen. Dort, so hoffte er, könnte er neu anfangen.

Er schloss die Augen, atmete tief durch und hielt das Blatt fester. Ein Schein, der plötzlich Sein bedeuten konnte. Oder eben gar nichts.

 

 

Sprachenschule

Drei Wochen zuvor

„Frau Meier, wie sagt man...?" Ali hielt inne, suchte nach dem richtigen Wort. Seine Finger trommelten auf das zerknitterte Vokabelheft, während er die Stirn in Falten legte. „Wenn ich später bezahle, nicht jetzt?"

Jana lächelte. „Auf Pump. Oder: auf Kredit."

„Auf Kredit", wiederholte er langsam, formte jede Silbe einzeln. Dann grinste er. „Das ist wichtig für Deutschland, oder? Alles auf Kredit."

Die anderen Schüler lachten. Selbst Frau Bergmann, die eigentliche Lehrerin, schmunzelte von ihrem Platz am Fenster.

Jana beobachtete Ali, wie er das Wort sorgfältig in sein Heft schrieb – erst in lateinischen Buchstaben, dann in arabischer Schrift daneben. Diese Doppelnotizen waren typisch für ihn. Als hätte er Angst, etwas zu vergessen, wenn er es nicht in beiden Welten festhielt.

„Du lernst schnell", sagte Jana, als die anderen schon wieder in ihre Arbeitsblätter vertieft waren.

Ali sah auf, und für einen Moment lag etwas Unausgesprochenes in seinem Blick. „Ich muss schnell lernen. Zeit ist..." Er brach ab, suchte das Wort.

„Knapp?"

„Ja. Knapp." Er nickte ernst. „Sehr knapp."

Jetzt

Der Geruch von altem Kaffee und billigem Reinigungsmittel hing in der Luft, vermischt mit dem säuerlichen Duft von Angstschweiß. Jana stand am Kopierer und starrte auf die Anwesenheitsliste in ihrer Hand. Acht Tage. Acht verdammte Tage, seit Ali zum letzten Mal hier gewesen war.

Sie hatte es am dritten Tag bemerkt. Am vierten hatte sie bei den anderen Schülern nachgefragt. Am fünften bei der Lehrerin. Niemand wusste etwas. Oder niemand wollte etwas wissen – bei manchen war der Unterschied schwer zu erkennen.

„Vielleicht krank", hatte Frau Bergmann mit einem Achselzucken gesagt. „Vielleicht zurück in die Heimat."

Die Gleichgültigkeit in dieser Stimme hatte Jana mehr erschreckt als die Tatsache selbst.

Sie faltete die Liste zusammen und schob sie in ihre Jackentasche. Offiziell war sie hier als Aushilfe, um die Lehrkräfte zu entlasten – Anwesenheit führen, Arbeitsblätter sortieren, Prüfungstermine vorbereiten. In Wahrheit recherchierte sie undercover. Monate hatte sie daran gearbeitet, Vertrauen aufzubauen, die Abläufe zu verstehen, die Ungereimtheiten zu dokumentieren.

Die Sprachschule war mehr als ein Ort zum Deutschlernen. Sie war ein Umschlagplatz – für Zertifikate, für Hoffnungen, manchmal auch für Verzweiflung. Manche Schüler taten sich schwer, verstanden kaum die Grundlagen, und doch bekamen sie plötzlich ein B1-Zertifikat. Andere, wie Ali, lernten bis spät in die Nacht und hatten trotzdem kaum eine Chance.

Aber Ali war anders gewesen. Ehrgeizig, aber nicht verbittert. Fleißig, aber nicht verbissen. Und vor allem: Er hatte Fragen gestellt. Zu viele Fragen, über zu viele Dinge, die eigentlich niemanden etwas angingen.

Jana lehnte sich gegen den Kopierer und schloss kurz die Augen. Das Bild von Ali mit seinem zerknitterten Heft, wie er konzentriert Vokabeln eintrug, wollte nicht aus ihrem Kopf.

Sie hatte versucht, ihn zu erreichen. Die Telefonnummer, die in der Schulakte stand, war tot. Die Adresse führte zu einem Wohnheim, wo man sie nur verständnislos angesehen hatte. „Ali? Welcher Ali?" Beim Versuch, bei Behörden nachzufragen, war sie gegen Mauern gelaufen. „Ohne Familienzugehörigkeit dürfen wir keine Auskünfte erteilen."

Ein junger Mann, Anfang zwanzig, ehrgeizig und voller Zukunftspläne – und das System zuckte nur die Achseln.

Jana griff nach ihrem Handy. Sie hatte lange gezögert, ihre Kontakte bei der Polizei einzubeziehen. Das konnte ihre Tarnung gefährden, konnte Türen schließen, bevor sie alle Beweise hatte. Aber acht Tage waren zu lang. Und das Gefühl in ihrem Bauch – dieses dumpfe, warnende Ziehen – ließ sich nicht mehr ignorieren.

Sie wählte Merles Nummer.

Es klingelte dreimal, dann die vertraute Stimme: „Merle Dethloff."

„Merle, ich bin's. Jana." Sie hielt inne, hörte das Rauschen im Hintergrund, Stimmen, das Klappern von Tastaturen. „Störe ich?"

„Nie. Was gibt's?"

Jana atmete durch. „Ich arbeite gerade undercover in einer Sprachschule. Einer der Schüler fehlt seit über einer Woche. Ein junger Mann, engagiert, ehrgeizig – und plötzlich wie vom Erdboden verschluckt."

Am anderen Ende wurde es kurz still. Dann Merles Stimme, jetzt fokussierter: „Vermisstenanzeige?"

„Niemand hat eine aufgegeben. Keine Familie hier, keine Freunde, die sich melden. Ich habe überall angerufen, aber ohne familiäre Berechtigung sagt mir niemand etwas." Jana merkte, wie ihre Stimme fester wurde. „Es ist nur ein Gefühl, aber... da stimmt was nicht, Merle. Ali ist nicht der Typ, der einfach verschwindet."

„Ali?"

„Ali. Mehr hab ich nicht. Aber er hat zu viele Fragen gestellt. Über Prüfungsabläufe, über Zertifikate, darüber, wie manche bestehen und andere nicht. Und jetzt ist er weg."

Eine Pause. Jana hörte, wie Merle etwas notierte.

„Schick mir alles, was du über ihn hast", sagte Merle schließlich. „Name, Alter, Beschreibung, die Adresse vom Wohnheim. Wir schauen nach, ob irgendwo jemand ohne Papiere aufgegriffen oder eingeliefert wurde."

„Danke." Jana spürte, wie sich die Anspannung in ihrer Brust minimal löste. „Ich schicke es dir gleich."

„Jana?" Merles Stimme wurde leiser. „Pass auf dich auf. Wenn da wirklich was läuft, dann..."

„Ich weiß." Jana sah zur Tür, hinter der die Schüler in ihren Bänken saßen, Köpfe über Arbeitsblätter gebeugt. „Ich bin vorsichtig."

Als sie aufgelegt hatte, blieb sie noch einen Moment stehen. Der Kopierer surrte leise neben ihr, das Neonlicht flackerte kaum merklich. Durch die Milchglasscheibe der Tür sah sie die Schatten der Schüler, ihre Bewegungen, ihre stummen Bemühungen.

Irgendwo da draußen war Ali. Oder das, was von ihm übrig war.

Jana schob das Handy zurück in die Tasche und kehrte in den Klassenraum zurück. Ihre Recherche war gerade kein reiner Journalisten-Job mehr. Sie hatte Merle und Bäumer ins Boot geholt.

Und insgeheim wusste sie: Das hier war erst der Anfang

 

Ali

Drei Wochen zuvor

Ali saß an dem kleinen Tisch in seinem Zimmer. Das Deutschbuch lag aufgeschlagen vor ihm, Seite 87, Konjunktiv II. Er hatte die Übung schon dreimal gemacht. Falsch, falsch, wieder falsch. „Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich besser lernen." Er sprach es laut aus, hörte sich selbst zu. Die Betonung stimmte nicht. Er probierte es noch einmal. „Wenn ich mehr Zeit hätte ..." Aber er hatte keine Zeit mehr.

Der Brief vom Amt lag unter dem Deutschbuch. Er musste ihn nicht hervorholen, um zu wissen, was drinstand. B1-Zertifikat bis 15. März. Sonst Ablehnung des Antrags. Sonst Abschiebung. Acht Wochen noch.

Ali stand auf. Ging zum Fenster. Draußen wurde es dunkel. Die Straßenlaternen flackerten an, eine nach der anderen. Er zählte sie manchmal, wenn er nicht schlafen konnte. Sieben Laternen von hier bis zur Ecke. Kleine Lichter in einer großen Stadt. Er liebte diese Stadt. Die Brücken, das Wasser, die Straßenbahnen, die um sechs Uhr morgens quietschten. Die Bäckerei an der Ecke, wo die Frau ihm immer zunickte. „Guten Morgen, Ali." Nicht „Guten Morgen, du", nicht „Guten Morgen, wie heißt du nochmal". Sondern: Ali. Sein Name. Das zählte.

In der Schublade lag ein Brief. Halb geschrieben, nicht abgeschickt. An seine Mutter. Liebe Mama, mir geht es gut. Die Arbeit ist hart, aber ich beschwere mich nicht. Deutschland ist kalt, aber die Menschen sind nicht schlecht. Ich lerne jeden Tag. Bald habe ich das Zertifikat. Dann kann ich richtig arbeiten, richtig Geld verdienen. Dann könnt ihr kommen. Er hatte nicht geschrieben: Ich habe Angst. Ich schaffe die Prüfung nicht. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Mütter mussten nicht alles wissen.

Ali setzte sich wieder hin. Nahm den Stift. Schrieb in sein Vokabelheft: „Hoffnung, die. Plural: selten." Er lächelte. Dann strich er „selten" durch und schrieb: „gibt es nicht."

Am Nachmittag war er in der Sprachschule gewesen. Frau Bergmann hatte Probeklausuren verteilt. Ali bekam 42 Prozent. Bestanden waren 60. „Üben Sie weiter", hatte Frau Bergmann gesagt. Freundlich, aber mit diesem Blick, der sagte: Du schaffst das nicht. Mohammed hatte auch nicht bestanden. Letzten Monat. Jetzt war Mohammed weg. Einfach weg. Sein Zimmer war leer, seine Sachen fort. Niemand wusste wohin. Oder niemand sagte es.

Ali wollte nicht weg. Er wollte bleiben. Hier, in dieser Stadt am Wasser. Er wollte ein richtiges Zimmer haben, nicht nur acht Quadratmeter mit einem Bett und einem Tisch. Er wollte seine Mutter anrufen und sagen: „Ich habe es geschafft." Er wollte ein helles Hemd kaufen, ein neues, kein gebrauchtes. Er wollte in der Bäckerei drei Brötchen kaufen, nicht zwei. Drei. Kleine Träume. Aber sie waren seine.

Am Abend traf er Hassan im Flur. Hassan arbeitete in einer Autowerkstatt, schwarz, zehn Stunden am Tag. Er hatte vor zwei Jahren sein B1 gemacht. Bestanden. „Wie hast du es geschafft?", fragte Ali. Hassan zuckte mit den Schultern. „Gelernt. Viel gelernt." „Und wenn man nicht genug lernen kann?" Hassan sah ihn an. Lang. Dann sagte er leise: „Es gibt andere Wege." „Welche?" „Frag nicht so laut." Ali fragte nicht weiter. Aber der Satz blieb hängen. Es gibt andere Wege.

In der Nacht lag er wach. Rechnete. Seine Ersparnisse: 340 Euro. Über zwei Jahre zusammengespart. Zehn Euro hier, zwanzig dort. Jeder Cent gezählt, jeder Cent behalten. Die Prüfung kostete 150 Euro. Wenn er durchfiel, musste er sie wiederholen. Wieder 150 Euro. Und die Zeit lief ab. Hassan hatte gesagt: Es gibt andere Wege.

Ali dachte an die Gerüchte. Man hörte Dinge. In der Schule, im Wohnheim, auf der Straße. Leute, die Zertifikate kauften. Ohne Prüfung. Einfach so. Er hatte nie gefragt. Wollte nicht wissen. Wollte den richtigen Weg gehen. Aber was, wenn der richtige Weg nicht reichte? Was, wenn er scheiterte? Zurück in ein Land, das er verlassen hatte, weil es keine Zukunft gab. Zurück zu seiner Mutter, die ihm beim Abschied gesagt hatte: „Du bist unsere Hoffnung." Zurück zu nichts.

Ali drehte sich auf die Seite. Starrte an die Wand. Die Tapete war alt, fleckig, an einer Stelle aufgerissen. Er hatte versucht, es mit Klebeband zu reparieren. Hatte nicht funktioniert. Vielleicht musste man manchmal Dinge tun, die man nicht tun wollte. Vielleicht war das erwachsen sein. Er schloss die Augen. Sah seine Mutter vor sich. Ihr Gesicht, als er gegangen war. Die Tränen, die sie nicht gezeigt hatte. „Ich schaffe das", flüsterte er in die Dunkelheit. „Irgendwie schaffe ich das."

Am nächsten Morgen stand er früh auf. Wusch sich das Gesicht mit kaltem Wasser. Zog das helle Hemd an, das er immer trug, wenn er zur Schule ging. Es war alt, aber sauber. Er bürstete den Kragen mit der Hand. Im Spiegel sah er sich an. Ein junger Mann, mager, müde, aber mit einem Lächeln, das noch nicht aufgegeben hatte. „Heute ist ein guter Tag", sagte er zu seinem Spiegelbild. Dann ging er los.

Er wusste nicht, dass es noch drei Wochen waren. Drei Wochen bis zu dem Abend, an dem er vor einer Tür stehen würde und sich fragen würde: Gehe ich rein oder nicht? Drei Wochen bis zu dem Moment, wo Mut sich in etwas anderes verwandelte. Aber jetzt, an diesem Morgen, kaufte er in der Bäckerei zwei Brötchen. Die Frau nickte ihm zu. „Guten Morgen, Ali." „Guten Morgen." Er lächelte. Und das war echt.

Spuren im System 

Merle stand am Fenster ihres Büros und blickte hinaus auf die Weser. Grau und träge floss das Wasser vorbei, wie so oft an Tagen, an denen die Arbeit kein Ende nehmen wollte. Sie hatte die Nacht kaum geschlafen, der Gedanke an Janas Anruf nagte an ihr. Ein junger Mann, motiviert, zielstrebig, verschwindet – und niemand fragt nach.

„Du bist früh dran.“ Bäumer kam herein, einen Pappbecher Kaffee in der Hand, die Aktentasche unter dem Arm. Sein Hemd war noch nicht richtig in die Hose gesteckt, und die Krawatte hing lose über der Schulter. Er wirkte wie jemand, der direkt aus einer durchwachten Nacht ins Büro gefallen war.

„Ich konnte nicht schlafen“, erwiderte Merle knapp. „Ich habe über Ali nachgedacht. Wir sollten uns den Fall gleich heute vornehmen.“ Bäumer nickte, stellte den Becher ab und setzte sich an seinen Schreibtisch. „Also gut. Wir haben Name, Alter, Herkunft, mehr nicht. Kein offizieller Vermisstenantrag, keine Familie, die nachfragt. Das ist eigentlich kein Fall für uns.“ „Aber Jana hat recht“, entgegnete Merle. „Wenn jemand plötzlich aus den Listen verschwindet, ohne dass eine Spur bleibt, dann ist das verdächtig. Lass uns klein anfangen: Krankenhäuser, Ausländerbehörde, Einwohnermeldeamt.“ Sie setzten sich nebeneinander an den Computer, loggten sich in die verschiedenen Systeme ein. Die ersten Minuten waren ernüchternd. Keine Einträge unter dem Namen Ali, kein Hinweis auf eine Einlieferung in eine Klinik, kein Polizeiprotokoll.

„Das gibt’s doch nicht“, murmelte Bäumer. „Ein Mensch verschwindet nicht einfach so. Selbst wenn er untertaucht, irgendwo müsste ein Hinweis sein – eine Fahrkarte, ein Zwischenfall, irgendwas.“ Merle scrollte durch die Datenbank der Ausländerbehörde. „Schau mal hier: Es gibt einen Eintrag, aber nur ganz kurz. Anmeldung vor drei Monaten bei einem Sprachkurs, dann ‚Status ungeklärt‘. Keine weiteren Angaben.“ „Als hätte ihn jemand gelöscht“, sagte Bäumer leise.

Merle drehte sich zu ihm. „Genau das befürchte ich. Wir müssen herausfinden, wer Zugriff auf diese Daten hat. Und wir müssen vorsichtig sein – wenn da jemand manipuliert, dann nicht aus Spaß.“ Ein Klopfen an der Tür unterbrach sie. Ein junger Kollege vom Streifendienst steckte den Kopf herein. „Chefin, wir haben hier eine Anfrage von der Notaufnahme in Bremen-Nord. Ein junger Mann, keine Papiere, schwer verletzt eingeliefert – passt auf die Beschreibung, die Sie gestern rumgeschickt haben.“ Merle und Bäumer sahen sich an. Das war kein Zufall.

„Adresse?“, fragte Merle.

Merle und Bäumer sahen sich an. Für einen Moment keimte Hoffnung, doch im Krankenhaus stellte sich schnell heraus: Der Patient war ein anderer. Ein Geflüchteter, ebenfalls ohne Dokumente, aber nicht Ali. „Falscher Alarm“, murmelte Bäumer, als sie die Station verließen. Doch das Gefühl, dass Ali in ernster Gefahr schwebte, blieb.

 

 

02

Leseprobe

Wer yacht hier wen?

Aura Blue – Morgendämmerung in Halle 7

 

Murat Yildiz war wie immer der Erste. Kurz vor fünf stieg er über die breite Gangway auf den Neubau 6453, eine glänzende Luxusyacht, die alle nur noch „Aura Blue“ nannten. Seine Kollegen von der Firma Tarkan kamen frühestens gegen halb sechs, doch Murat mochte diese Ruhe vor dem Sturm. Niemand, der ihn bei der Runde störte, niemand, der quatschte oder im Weg stand.

Er kannte den Kontrollgang auswendig. Backbord aufwärts, Steuerbord hinunter, zwei Decks, jede Klappe, jede Zugangsluke. Meist nickte er sich selbst stumm zu, wenn alles seinen gewohnten Gang ging. Heute war alles anders.

Die Tür zum Maschinenraum stand einen Spalt offen. Das war ungewöhnlich. Die war sonst immer verschlossen, wenn er kam.

Er zögerte kurz, schob sie dann auf und trat ein. Drei Schritte. Dann hielt er inne. Vor ihm, in der Dämmerung des Maschinenraumdecks, lag ein Mann – reglos, verdreht, mit weit aufgerissenen Augen.

Herr Stirnbengel. Projektleiter. Und, soweit Murat das auf Anhieb sagen konnte: ziemlich tot.

Er blieb wie angewurzelt stehen. Erst nach ein paar Sekunden bewegte er sich wieder, ging langsam näher heran. Stirnbengel lag auf dem Rücken, halb unter einer Strebe, mit dem Oberkörper leicht verdreht. Murat kniete sich hin, beugte sich vor und legte zwei Finger an den Hals.

Kein Puls. Aber der Körper war noch nicht ganz kalt. Und etwas an der Haltung – diese merkwürdig angewinkelten Arme – machte ihm Gänsehaut.

„Was machst du hier, Mann..“, murmelte Murat, mehr zu sich selbst als zum Toten.

Dann ging alles ganz schnell. Er stolperte rückwärts aus dem Maschinenraum, schlug sich das Knie an einer Kante auf, fluchte leise, rannte den Korridor entlang nach draußen. An der Gangway griff er zum Handy. Kein Empfang. Erst unten in der Halle bekam er ein Signal. Sein erster Anruf ging an die Werft-Pforte.

„Notfall auf Neubau 6453“, stieß er atemlos hervor. „Da liegt einer im Maschinenraum. Ich glaube.. Ich glaube, der ist tot.“

Der Pförtner versprach, sofort Polizei und Werftleitung zu informieren.

Noch während Murat draußen stand und auf die ersten Sirenen wartete, wählte er eine weitere Nummer.

 Die wichtigste. Frank war gerade dabei, seinen ersten Kaffee aufzubrühen, als das Handy vibrierte. Murats Stimme kam ohne jede Einleitung: „Du musst sofort kommen. Auf der Aura Blue liegt einer. Es ist Stirnbengel. Und ich glaube, das war kein Unfall.“

Frank antwortete nicht sofort, nur ein knappes: „Ich bin unterwegs.“ Noch bevor er die Haustür erreichte, wählte er Murats Nummer erneut.

„Hör zu“, sagte er ruhig. „Sperr den Maschinenraum sofort ab. Keiner geht mehr an Bord, verstanden? Und sorge dafür, dass es keinen Werfttourismus zur Leiche gibt – keine Gaffer, keine Neugierigen. Die sollen alle aufs Behördenschiff, keine Ausnahmen.“

„Mach ich“, kam es knapp zurück. „Ich stell ein paar Leute ab.“

Als Frank zehn Minuten später an der Hauptzufahrt der Werft ankam, erwartete ihn eine Szenerie, die ihm sofort gegen den Strich ging: zwei Kamerateams, ein Mann mit Mikro, mehrere Fotografen – und das alles um kurz nach fünf. Unglaublich.

Er fuhr rechts ran, ließ die Scheibe herunter und musterte das Schauspiel. Sie hatten ihn gesehen, aber keiner sprach ihn direkt an. Noch nicht. Offenbar wussten sie nicht, wer er war oder welche Rolle er hier spielte.

Aber warum waren sie überhaupt hier? Die Polizei war gerade erst unterwegs. Und auf der Werft selbst wussten nur ganz wenige von dem Vorfall.

„Verdammt. Das kann nur vom Pförtner kommen.“ Frank knirschte mit den Zähnen. Hat sich wohl gedacht, ein bisschen Exklusivinfo- bringt Zigarettengeld… oder mehr.

Er parkte, stieg aus und marschierte an den Presseleuten vorbei, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Nur einer wagte es, eine Frage zu rufen: „Sind Sie von der Werftleitung? Können Sie bestätigen, dass es sich um einen Mord handelt?“

Frank drehte den Kopf, fixierte den Reporter und sagte knapp: „Ich kann bestätigen, dass Sie mir im Weg stehen.“ Dann war er durch die Sicherheitsschleuse und verschwand im Inneren der Anlage.

 

Achtung: Rezensionen siehe Amazon unter 

„Wer yacht hier wen?“

03

Leseprobe

Nach dem Kalten Krieg kommt der warme Regen

Ruhe vor dem Regen

 

Es gab eine Zeit, in der der Krieg wie ein Relikt erschien — eine historische Episode, ausgestellt in Museen, vergraben in Akten. Der Frieden wirkte stabil, fast wie ein Grundrecht. In den Werften arbeitete man weiter, aber das große Ziel hatte sich verschoben: Nicht Landesverteidigung, sondern Export, Spezialanfertigungen, Prestigeprojekte.

Natürlich gab es noch militärische Aufträge. Die Bundesmarine ließ Fregatten bauen, Korvetten wurden geplant, neue Mehrzweckschiffe ausgeschrieben. Die Fregatten der Klasse F125 nahmen in den Docks Form an — technisch komplex, aber politisch oft verzögert. Die Korvetten der K130-Reihe gingen in Serie, doch jeder neue Bau war begleitet von Diskussionen über Kosten, Zeitpläne und Bewaffnung. Das Projekt K180 — später MKS 180 — war bereits in Vorbereitung. Es fehlte nicht an Konzepten, sondern an Klarheit. Und oft auch an politischem Willen und oftmals auch an den Haushaltsmitteln.

Gleichzeitig verschob sich der Schwerpunkt. Immer häufiger lagen im Dock Yachten mit zwei Heildecks und sieben Kabinenebenen — gebaut für Kunden, deren Herkunft diskret blieb. Viele kamen aus Russland. Andere aus dem Nahen Osten. Die Verträge waren komplex, die Zahlungsflüsse verschleiert, die Wünsche extravagant. Für die Werften waren es lukrative Aufträge — sie füllten Hallen und sicherten Beschäftigung, aber sie hatten mit der Verteidigungsfähigkeit eines Landes wenig zu tun.

Einmal bestellte ein Kunde ein Forschungsschiff für Umweltanalysen. Es endete als schwimmende Luxusyacht — mit vergoldetem Geländer, Mahagonideck und Diplomatenkabine. In der Werft nannte man das Schiff später augenzwinkernd „die goldene Qualle“ — ein glänzender Rumpf, ein wehrloser Körper, gebaut für tropische Gewässer und symbolischen Glanz.

Währenddessen rosteten ältere Einheiten der Bundeswehr, die Ersatzteile kamen verspätet, neue Systeme kamen über die Pilotphasen nicht hinaus. . Der Begriff „Friedensdividende“ schwebte wie eine Beruhigungstablette über der Verteidigungspolitik. Man wollte abrüsten, modernisieren, umwidmen. Ein Panzerhersteller baute kurzzeitig Fahrradständer für Städte — mit militärischer Präzision, jedoch ohne Abnehmer.

Der Glaube an die globale Ordnung war groß. Die USA schienen weltpolizeilich allgegenwärtig, die NATO wirkte geschlossen, und Europa glaubte, sich aus militärischer Verantwortung langsam herausziehen zu können. Deutschland reduzierte die Wehrpflicht, schloss Kasernen, verkaufte Flugabwehrsysteme ins Ausland. Ausrüstung wurde nicht modernisiert, sondern ausgebucht. Personal wurde nicht ausgebildet, sondern abgebaut.

Auch in den Werften veränderte sich das Bild. Schweißhallen wurden verkleinert, Montagekapazitäten ausgelagert, traditionelle Fertigungsschritte automatisiert — nicht, um schneller zu liefern, sondern um Personal zu sparen. Viele Facharbeiter wechselten in andere Branchen. Mit ihnen verschwand nicht nur Wissen, sondern auch ein Stück Haltung: das Verständnis dafür, dass man für ein Land baute — nicht nur für einen Kunden.

Die Umrüstung der Industrie auf zivile Mehrzweckfertigung wurde gefeiert. Man sprach von „zivilgesellschaftlichem Strukturwandel“ und „konversionstauglicher Produktion“. Gemeint war: keine Panzer mehr, keine Minensucher, keine Raketenwerfer. Stattdessen sollten Kühlanlagen, Spezialfahrzeuge oder Seilbahnen die Zukunft sichern. Der Gedanke war ehrenwert — aber er entsprach einer Welt, die es so nicht mehr geben sollte.

Denn der nächste Krieg würde nicht warten.

Und dann kam 2014.

Putins Annexion der Krim war kein Missverständnis, sondern ein Warnschuss. Nur klang er in europäischen Ohren wie ein fernes Echo. Man reagierte mit Besorgnis, nicht mit Konsequenz. Während in Moskau die Strategen neue Karten zeichneten, wurden in Berlin die Sitzordnungen im Ministerium überarbeitet.

In den Führungsetagen der Industrie aber verstand man schneller, was bevorstand. Die Anfragen stiegen. Plötzlich war wieder von Luftraumverteidigung, Schutzwesten, Digitalisierung der Truppe die Rede. Doch die Produktionsketten waren ausgedünnt, Fachkräfte fehlten, Know-how war verlorengegangen. Nur liefern konnte kaum jemand — weder rechtzeitig noch vollständig.

Denn wer zehn Jahre lang abbaut, kann nicht binnen Monaten aufbauen. Nicht mit einem Personalstamm, der ausgedünnt, und mit einer Verwaltung, die auf Friedenszeit programmiert war. Alte Zulieferer hatten aufgegeben, junge Start-ups hatten noch nie für militärische Zwecke gefertigt. Die Lücken waren tief — nicht nur in den Lagern, sondern im Denken.

Ein älterer Ingenieur auf der Werft brachte es auf den Punkt: „Früher hieß es: Kiellegung 1. März — Indienststellung 15. Juni. Heute? Antrag nachreichen, Schallschutz prüfen, Akteneinsicht beantragen.“

Der Ernstfall war da — aber die Ernsthaftigkeit fehlte.

Hinzu kam: Der Feind war nicht mehr klar umrissen. Früher war es ein Staat, ein Block, ein Potenzial. Heute operierte er digital, asymmetrisch, zersetzend. Cyberangriffe ersetzten Luftschläge, Desinformation wurde zur Vorhut, hybride Kriegsführung zum Standard. Und Europa — verteidigungspolitisch im Dämmerschlaf — war verwundbar wie nie.

Im Hintergrund jedoch rollte eine neue Welle an: Geld. Viel Geld. Aufträge, Subventionen, Sondervermögen, Milliardenpakete. Der politische Ton wurde schärfer, die Rhetorik wehrhafter. Und doch blieb das System träge.

Der Regen begann zu fallen.

Er war warm. Und manche hielten ihn fälschlich für ein Zeichen der Beruhigung.

 

Achtung: Rezensionen siehe Amazon unter 

„Nach dem Kalten Krieg kommt der warme Regen.“

 

04

 

Leseprobe

"110 Kilo Scheine"

Prolog – Mehr Schein als Sein

 

Die meisten denken, Geld sei schwer zu verdienen. Stimmt. Aber leichter zu verlieren ist es trotzdem.

Vor allem, wenn niemand so genau hinsieht. Oder wenn alle genau wissen, wohin man besser nicht schaut.

110 Kilo Scheine verschwinden nicht mit Getöse aus einem Casino.
Die springen nicht über Zäune oder reißen sich los. Die fahren ganz normal über die Straße. Im Lieferwagen. Mit Papieren. Die machen keinen Lärm. Nur Buchungslücken.

Kein Alarm. Kein Getöse. Nur ein paar Klicks. Und ein paar Leute, die wussten, was sie tun.

Der Trick war nicht der Diebstahl. Der Trick war, dass niemand ihn als solchen erkennen wollte. Schon gar nicht offiziell.

Und so verschwand das Geld. Nicht über Nacht – sondern mit System.

Leserbewertungen siehe Leseproben

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